
19 ihrem 90. Geburtstag die Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft. Sie liebte ihr Publikum. „Ich spiele für das Volk”, sagte Heidi Kabel, “für den Menschen mit all seinen Gefühlen. Es gibt für mich nichts Schöneres, als mein Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen zu bringen. Ich bin gern eine Volks- schauspielerin.” Am 31.12.1998 fiel zum letzten Mal der Theater- vorhang für sie. Ein bisschen Wehmut war da- bei, aber sie war ein Mensch, der Gefühle selten zeigte. „Gefühle zeigt man, wenn die Rolle es verlangt, privat stellt man sie zurück“, war ihre Devise. Sie opferte viel Zeit, Kraft und auch Geld, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Sie hatte einen ausgeprägten Sinn für Gerechtig- keit und half dort, wo ihre Unterstützung benötigt wurde. Wir starteten gemeinsam Aktionen, die uns immer große Freude bereiteten. Ich erzählte ihr 1996, dass an den Hamburger Lan- dungsbrücken obdachlose Männer ihre Schlafstät- ten unter einer Brücke aufgebaut hätten. „Können wir für sie etwas tun?“, fragte Heidi Kabel. Wir besuchten diese Männer und sie erklärten, dass der Winter doch sehr kalt sei und es an Brennholz fehle. Gemeinsam mit einer Redaktion riefen wir mit Heidi Kabel als Schirmherrin zu Geldspenden auf. So kamen mit Hilfe der Leser 4000,- DM zusammen. Häufig sang sie in Pflegeheimen ohne Gage zu verlangen, begleitet von Margot Schöneberndt. Sie war sich ihrer glücklichen Situation bewusst, dass sie noch bis ins hohe Alter arbeiten durfte. In ihren letzten Lebensjahren litt sie an Demenz. Bei mei- nem letzten Besuch im Seniorenheim erkannte sie mich nicht mehr. Sie sah mich fragend an. „Ich bin doch dei- ne Fotografin Marion“, erklärte ich. Typisch Heidi Kabel, antwortete sie bestimmend: “Das weiß ich doch!“ Ihr Ge- sichtsausdruck verriet etwas anderes. Sie wollte sich bis zu- letzt nicht gern helfen lassen – auch das zeigte ihre Stärke. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen wertvollen Menschen so gut kennenlernen und über 30 Jahre mit der Kamera und privat begleiten durfte. Sie war und ist menschlich mein großes Vorbild. Sie wollte so gern ihren 100. Geburtstag erleben. Dieser Wunsch blieb unerfüllt. Sie starb am 15. Juni 2010 und ist nun auf dem Nienstedtener Friedhof mit ihrem geliebten Mann wieder vereint. Vielleicht bringt sie dem lieben Gott und seinen Engeln plattdeutsche Lieder bei und singt ge- meinsam mit ihnen. Ich habe ihr zum Abschied einen Stern gewidmet und freue mich an sternenklaren Nächten, so noch mit ihr in Kontakt zu stehen. Text & Fotos Marion Schröder © SeMa Das NDR Fernsehen sendet am 23.8. 2014 ab 20.15 Uhr die Ohnsorg-Theater-Aufführung: Manda Voss wird 106. Danach ab 22 Uhr: „Erinnerungen an Heidi Kabel zum 100. Geburtstag“. Das Ohnesorg-Theater verwandelt sich am 27. August in einen Kinosaal und zeigt auf einer Filmleinwand ab 20 Uhr „Tratsch im Treppenhaus“. In dieser Heidi-Kabel-Geburtstagsnacht werden auch einstige Weggefährten an die großartige Schauspielerin erinnern. Heidi Kabels Lieblingsfoto Heidi Kabel mit Willy Millowitsch In ihrem Garten Heidi Kabel hilft Obdachlosen Heidi Kabel im Studio mit Freddy Quinn